Ruhe in Frieden, kleiner Jogi

Er war nur wenige Tage bei uns.
Aber er war vom ersten Moment an tief in meinem Herzen.

Ich liebe einfach Gelbwangenamazonen.
Und dieser Jogi, den ich vorher nicht kannte, war so überaus liebenswert.
Wenn ich an seinen Blick denke, seine Äuglein, kommen mir die Tränen –
er schien nur mit seinen Augen mit mir zu sprechen und traf mitten in meine Seele. Um so schlimmer: Jogi ist nicht mehr am Leben.

Ich schreibe dies, weil ich hoffe, dass jemand seine Geschichte liest, daraus lernt und dadurch andere Papageienleben retten und erhalten kann.
So hätte Jogi’s Tod wenigstens noch einen Sinn.

Dass dieses Tier krank ist, sah ich sofort.
Eine Ahnung hatte ich auch… aber man möchte ja immer an das Gute in den Menschen glauben und es widerstrebt meiner Natur, Leute voreilig zu verurteilen. Dieser arme Papagei aber wurde förmlich zu Tode „geliebt“ –
synonym für viele andere Papageien auch, denen man „nur Gutes tun“ will.

Da wird mit Menschenessen gefüttert – als Hauptnahrung wohlgemerkt, Dinge, die ein Papagei gar nicht verdauen kann. Fleischkäse wächst nicht in der Natur auf Bäumen, und Früchtejoghurt nicht auf dem Waldboden. Die Natur hat den
Verdauungstrakt eines Vogels nicht auf so etwas ausgerichtet.

Liebe Vogelbesitzer, mal hier und da ein Leckerli, auch mal ein Mini-Stück Käse vom Frühstücksbrötchen ist sicher erlaubt. Aber von mehr als das wird ein Papagei unweigerlich krank werden. Man merkt es ihm nicht an, denn er muss als Fluchttier seine Gebrechen verbergen. Aber er leidet still.

Jogi hatte so viele Krankheiten, wie später der auf Papageien spezialisierte Facharzt feststellte – von Aspergillose über Leberschäden bis hin zu Verdauungsstörungen, sogar Narben von alten unbemerkten Verletzungen fanden sich. Jedes für sich allein schon schlimm genug.

Manchmal zweifle ich an meinem Job. Es geht mir sehr an die Nieren, wenn ich ein Tier leiden sehen muss. Doch andererseits: Ich bin in der glücklichen Lage,
mein Wissen und meine Erfahrung weiterzugeben, und kann so vielleicht dem Einen oder Anderen Hilfestellung geben. Also werde ich mich weiterhin um das Liebste bemühen, was wir haben: Es sind die Vögel, die wunderbarsten Geschöpfe, die dieser Planet hervorgebracht hat.

Wir sollten sie ehren und schützen und so behandeln, wie es ihnen guttut!
Lasst sie uns so lieben, dass es ihnen nicht schadet.
Liebe ist manchmal auch Verzicht.

Ich werde Jogi wohl niemals vergessen, denn ich habe ihn leiden sehen müssen. Ich musste akzeptieren, dass selbst der Papageien-Guru unter den Tierärzten
das Segel streichen musste. Es gibt für alles Grenzen.
Doch Jogi ist nicht wirklich tot. Er wird nicht nur in meinem Herzen weiterleben,
sondern auch in anderen, die seinen letzten Weg mit begleitet haben.

Ruhe in Frieden, kleiner Jogi.
Und grüß mir all die Vögel, die ich schon beerdigen musste.
Ich bin sicher, ihr habt irgendwo eine Art Vogelhimmel, wo ihr alle zusammenkommt. Wenn ich’s mir aussuchen darf: Dort will ich dann auch mal hin.


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